„Der Kaiser war immer da – auch wenn er zu war“
8.2.2026
Zell-Homölisch
Interview mit David Vogel über Rückkehr, Wurzeln und den Stauseewirt Kaiser
Du bringst den Stauseewirt Kaiser im Sommer 2026 als Pop-Up zurück. Warum gerade jetzt?
Manchmal ist es kein konkreter Zeitpunkt, sondern ein innerer Moment. Der Kaiser war immer da – auch in den Jahren, in denen er geschlossen war. Für viele in der Region, aber auch für mich persönlich. Jetzt fühlt es sich richtig an, diesen Ort wieder aufzumachen. Nicht groß, nicht aggressiv, sondern behutsam. Drei Monate. Schauen, was möglich ist. Spüren, ob es trägt.
Du hast eine klassische touristische Ausbildung hinter dir. Wie war dein Weg?
Ich habe die Höhere Lehranstalt für Fremdenverkehrsberufe in Krems absolviert, klassisch und fundiert. Danach war ich einige Jahre in der Hotellerie tätig – in sehr guten Häusern, Tophotels in Deutschland und Österreich. Danach zog es mich weiter weg, in die Karibik, Florida, Mexiko. Ich wollte sehen, wie Gastlichkeit an unterschiedlichen Orten funktioniert. Wie Menschen empfangen werden, wie Atmosphäre entsteht.
Damals bist du aber ziemlich weit weg von der klassischen Hotellerie gegangen.
Ja, bewusst. Ich war damals Kitesurflehrer und Watersports Manager. Zuständig für Gäste- Service, Beherbergung und Touren. Dann, als ich Mitte der 2000er nach Rom gezogen bin, habe ich angefangen als Reiseleiter zu arbeiten und folglich dann speziell im MICE Business (Meetings, Incentives und Events) habe ich viele Locations und Venues gesehen und mich weiterentwickelt. Ich bin gefühlt 3 Mal um die Welt gereist. Ich habe viel draußen gearbeitet, viel mit Menschen. Später habe ich mir im Tourismus ein eigenes Business aufgebaut, unter anderem im Kulturbereich. Ich führe heute klassische Orchester auf Tourneen rund um die Welt. Das ist organisatorisch, logistisch und menschlich extrem anspruchsvoll – aber gleichzeitig sehr erfüllend.









Und trotzdem zieht es dich zurück nach Kärnten. Warum?
Weil Wurzeln nicht verschwinden. Nach dem Nomadentum spüre ich sie heute wieder stärker. Kärnten ist Heimat. Ich möchte nicht alles hinter mir lassen, was ich mir aufgebaut habe, aber ich möchte wieder näher dran sein. Und hier etwas Sinnvolles aufbauen – etwas, das bleibt, auch wenn ich gerade nicht da bin.
Der Kaiser ist für dich mehr als nur ein Projekt.
Absolut. Der Kaiser ist meine Jugendliebe. Ich bin hier groß geworden, habe hier gearbeitet, Sommer verbracht, Menschen kennengelernt. Dieser Ort hat mich geprägt. Wenn man so will, ist das jetzt eine Art Rückkehr – aber nicht nostalgisch verklärt, sondern mit dem Wissen von heute.
„Es ist stiller hier. Unaufgeregter. Aber wunderschön und authentisch. Klar, weit und ehrlich. Genau das suchen heute viele Menschen.„
Was siehst du an diesem Ort, was andere vielleicht übersehen?
Potenzial – solide, nachhaltig und sanft. Verbunden mit Natur, Menschen und Lebensfreude. Der Freibacher Stausee ist nicht der Wörthersee und auch nicht der Klopeiner See. Und das ist gut so. Es ist stiller hier. Unaufgeregter. Aber wunderschön und authentisch. Klar, weit und ehrlich. Genau das suchen heute viele Menschen.
Was soll der Stauseewirt Kaiser im Sommer 2026 sein?
Ein Sommermittelpunkt. Kein Szene-Lokal, kein Eventtempel. Sondern ein Wirtshaus am Wasser, wo man bleibt. Wo Generationen zusammenkommen. Ein Ort für Einheimische genauso wie für Gäste. Mit guter Gastfreundschaft und interessanter Unterhaltung.
Wie würdest du das gastronomische Konzept beschreiben?
Kärntner Sommerküche. Regional, unkompliziert und sauber gekocht. „Sommer wie damals, Genuss wie heute“, trifft es ganz gut. Keine Übertreibung, kein Chichi. Qualität, die nicht laut sein muss, aber spürbar ist. Eine klassische Sommer-See-Tageskarte mit Dauerbrennern wie Wiener Schnitzel und Pommes, Schinken-Käse Toast, Grillhendl, Eiscreme, guter Kaffee und Kuchen von der Oma. Dann am Abend gibts eine kleine und feine Genusskarte mit Produkten direkt aus der Umgebung. Die Bachforelle aus dem See, das Steak vom Rind vom Nachbar, Wild aus dem Wald hinter uns. Die Qualität der heimischen Ressourcen und Produzenten ist extrem hoch.
Ein zentrales Element ist das Crowdfunding. Warum dieser Weg?
Weil es nicht darum geht, Geld zu sammeln, sondern Menschen mitzunehmen. Wir sagen nicht: „Wir brauchen euch.“ Wir sagen: „Wenn du das fühlst, sei dabei.“ Es geht um Zugehörigkeit und Gemeinschaft, nicht um Rendite. Heutzutage ein Wirtshaus wieder zu beleben ist keine Kleinigkeit, und mit diesem System geben wir den Leuten die Möglichkeit, ohne viel Aufwand uns zu unterstützen und dem Projekt eine bessere Erfolgschance zu geben.
„Wenn man am Abend am See sitzt und merkt: Der Ort lebt wieder.„
Das Kampagnenmotto lautet „Für die, die’s gspürn.“ Was bedeutet das für dich?
Es ist eine Haltung. Nicht alles muss jedem gefallen. Aber manche Orte sprechen zu Menschen. Wer’s spürt, der versteht, worum es geht. Und wer mitgeht, macht den Ort stärker.
Wie realistisch ist das Projekt wirtschaftlich?
Sehr realistisch. Wir haben konservativ gerechnet und mehrere Szenarien durchgespielt. Es ist ein Pop-Up, kein Blindflug. Gerade die Begrenzung auf drei Monate macht es kontrollierbar.
Und was passiert nach dem Sommer 2026?
Das entscheiden wir danach. Ehrlich. Mit Zahlen, aber auch mit Gefühl. Vielleicht geht es weiter, vielleicht anders, vielleicht gar nicht. Wichtig ist, dass wir es richtig machen – nicht überhastet.
Zum Abschluss: Wann ist der Kaiser für dich wirklich zurück?
Wenn Menschen nicht nur kommen, sondern bleiben. Wenn Gespräche entstehen. Wenn man am Abend am See sitzt und merkt: Der Ort lebt wieder.


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