Geschichten aus dem Freibachtal:
Folge 1: Der „Kaiser“
Es gibt Orte, deren Name einfach irgendwo auf einem Schild steht.
Und es gibt Orte, deren Name langsam entsteht — aus Stimmen, Erinnerungen und Dialekt.
Der Kaiser gehört zur zweiten Sorte.
Denn rund um den Freibacher Stausee wurde nie besonders laut gesprochen.
Die Menschen hier lebten mit dem Wald, mit Wasser, mit Arbeit.
Mit Eisenhämmern, Mühlen, Fischerei und langen Wintern.
Und irgendwo zwischen den alten Höfen des Rosentals fiel über Generationen immer wieder ein Wort, das weich klang wie der Wind zwischen den Fichten:
Kajža.
Die alten slowenischen Familien nannten so kleine Häuser und einfache Keuschen am Waldrand.
Keine großen Bauernhöfe.
Sondern jene kleinen Anwesen der Arbeiter, Köhler, Fischer und Tagelöhner — einfache Orte mit Rauchküchen, Holzöfen und niedrigen Fenstern.
Das Wort wanderte über Jahrhunderte zwischen den Sprachen hin und her.
Vom Slawischen ins Deutsche.
Vom Deutschen zurück ins Slowenische.
Und im Kärntner Dialekt klang es irgendwann fast wie:
„Kaischa.“
Fast wie:
„Kaiser.“
Ob der Name des Wirtshauses tatsächlich daherkommt, weiß heute niemand mehr mit Sicherheit.
Vielleicht war es Zufall.
Vielleicht eine sprachliche Verschiebung.
Vielleicht wurde aus einer kleinen Kajža irgendwann im Volksmund „beim Kaiser“.
Denn genau solche Geschichten entstehen in Tälern wie diesem:
nicht offiziell,
sondern langsam —
am Stammtisch,
beim Fischen,
auf dem Heimweg durch den Wald.
Und vielleicht passt gerade deshalb kein anderer Name besser zu diesem Ort.
Denn der Kaiser war nie ein Schloss.
Nie geschniegelt.
Nie fern von den Menschen.
Er war immer ein Haus am Wasser.
Ein Platz für Sommerabende.
Für Arbeiter, Familien, Fischer, Verliebte, Motorradfahrer, Taucher und Heimkehrer.
Ein Ort, der geblieben ist, obwohl ringsum so vieles verschwunden ist.

Selbst unter dem See liegen heute noch die Reste der alten Welt:
Mauern,
Mühlen,
Wehranlagen,
Kellerdecken aus Holz.
Und oben am Ufer leuchtet wieder der Kaiser.
Vielleicht trägt er seinen Namen also gar nicht wegen eines Herrschers.
Sondern wegen jener alten Kajže-Geschichten des Tals.
Wegen der einfachen Häuser.
Der Menschen.
Der Sprache dazwischen.
Und wegen all derer, die’s noch spüren
Spannender Link mit Blick auf den leeren Stausee: https://www.meinbezirk.at/klagenfurt-land/c-lokales/das-versunkene-dorf-in-homoelisch-ist-jetzt-sichtbar_a1619683#gallery=null


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